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in memoriam

Liebe Ingrid,

viel zu früh musstest du uns verlassen.
Wir hatten doch schon Pläne für das Alter geschmiedet. Wir wollten Samba spielen im Altersheim, wenn unsere Ohren nicht mehr funktionieren und unsere Füße uns nicht mehr tragen würden. Samba, so sagten wir, würden wir immer noch gut hören, sie geht über in Fleisch und Blut. Und tanzen wollten wir im Sitzen.
Nun sind wir so unendlich traurig darüber, dass wir diese Vision nicht mehr gemeinsam weiterspinnen können.

Wir haben so viele Jahre gemeinsam Musik gemacht, zusammen gespielt und gelacht, manchmal auch gestritten, wir sind durch einige Höhen und Tiefen gegangen, um schließlich zu einer stabilen Band zusammenzuwachsen. Dazu hast du einen beträchtlichen Anteil geleistet!
Mit deiner Beständigkeit und Kreativität,
mit deiner feurigen Leidenschaft für die Musik,
deinem Spiel, deiner Spontanität,
mit deinem spielerischen Zugang zum Neuen und Andersartigen,
deiner Vielseitigkeit, deiner Musikalität, deiner Stimme,
deinem großen Schatz an Liedern, die du einfach aus dem Ärmel schütteln konntest.

Mit dir im Proberaum zu grooven und Pläne zu schmieden war wunderbar, unser Probentag ein fixer Bestandteil unseres Lebens und du ein nicht weg zu denkender Teil dieser unserer zweiten Familie, unserer Samba-Familie.
Du wirst uns sehr fehlen! Nicht nur als Musikerin und Bandleaderin, sondern auch als Freundin:
deine roten Haare, deine blauen Augen und deine schönen Hände, dein Lachen und dein besonderer Humor, deine Erzählungen, dein kritisches Denken, deine Streitbarkeit,
deine Ernsthaftigkeit im Vertrauen zueinander, deine Großzügigkeit und Loyalität,
deine Stärke, dein Mut, dein Sein.

Du hast Samba 1991 nach Innsbruck gebracht. Ausdruck von Lebensfreude die im gemeinsamen Groove entsteht. Die Samba ist gewachsen, ist breit geworden und hat zum Höhenflug angesetzt.  
Es war dir stets wichtig das Eigene einzubringen, die Tiroler Wurzeln, dein Statement als Frau und Musikerin. Mais Uma wurde durch dich auch ein Stück politisch, spielte auf Demos oder unentgeltlich für soziale Initiativen. Du hast als Bandleaderin Beteiligung und Bekenntnis eingefordert, hast so Veränderung und Wandel möglich gemacht. Die Umbrüche innerhalb der Band hast du immer als Beginn von etwas Neuem gesehen.
Deine Unerschrockenheit in der Tiroler Musikszene als Perkussionistin mit überwiegend weiblicher Band auf der Bühne zu überzeugen war beeindruckend.
Du hattest und hast viele Fans, auch viele junge Leute, die deine Texte bei Auftritten im Treibhaus mitgesungen haben. Deine Power auf der Bühne war unglaublich ansteckend.

Manchmal fiel es uns nicht leicht, mit deiner ehrlichen und direkten Art Kritik zu äußern, umzugehen. Es war schön und bemerkenswert, zu sehen, wie sich in den letzten Jahren immer mehr eine Art Gelassenheit in deinem Gemüt breitmachte. Du wurdest sanfter und geduldiger im besten Sinne, nicht nur was so manche „musikalische Verfehlung“ anging.

Nun bleibt noch die Erinnerung an dich, liebe Ingrid, und an die vielen schönen Momente, die wir mit dir verbringen konnten. Samba wird weiter schwingen, Lebensfreude nach außen tragen und in uns pulsieren. Das werden wir immer mit dir, Ingrid, in Verbindung bringen, und dafür sind wir dir dankbar!

„Mögest du von weißen Elefanten begleitet und mit königlichem Klange Einzug halten!“

Solltest du in einen konservativen Tiroler Himmel kommen, so wirst du wohl innerhalb kürzester Zeit ein paar Engel um dich scharen und ihnen den Samba beibringen. Du wirst ihnen den Kopf zurechtrücken (wenn du es für notwendig befindest), sie mit  politischem Denken und einer gesunden Portion Feminismus ausstatten, um dann mit ihnen so manchen himmlischen Demonstrationszug zu organisieren. Und vielleicht schaffst DU es so sogar, aus diesem Tiroler Gott eine Göttin zu machen; so wie wir dich kennen, setzt du im zur Not halt einfach eine Perücke auf.

Danke, liebe Ingrid, für die schöne und aufregende Zeit, die wir mit dir erleben konnten!
Du wirst immer in unseren Herzen bleiben.

Bom dia samba and goodbye blues.

In Liebe deine mais umas!

 

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